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Grundlagen der Recherche – 1: Die richtigen Tools

Ob als Blogger:In, Journalist:In oder User:In: Um mit Medien richtig umgehen zu können, ist die Fähigkeit zur Recherche im internet in Zeiten von Fake-News ein nicht zu unterschätzender Skill. In dieser Artikelreihe möchte ich einen Einblick in die tiefgehende Recherche geben. In Teil 1 der Serie befasse ich mich mit Tools zur Informationsgewinnung aus öffentlichen Quellen.

Open Source Intelligence

Es ist nicht einfach, aus der Masse an Informationen, der wir täglich begegnen, die zu finden, die wir brauchen. Michael Kroker von der Wirtschaftswoche gibt eine Menge von 33.000 Exabyte für das gesamte Datenvolumen des öffentlichen Internet an – das sind unvorstellbare 36.283.883.716.608.000 Megabyte.

Diese Datenmengen sind dermaßen unüberschaubar, dass es schwer ist, zu sinnvollen Rechercheergebnissen zu kommen. Frei nach dem Motto „Man muss nichts wissen, man muss nur wissen, wo es steht“ gibt es aber Datenbanken, Tools und Techniken, mit denen wir die richtigen Informationen Filtern können.

In Teil 1 dieser Serie gehe ich auf allgemeine OSINT-Tools ein, die ich beinahe täglich für verschiedene Recherchen nutze. OSINT steht für „Open Source Intelligence“, ein Begriff der aus der Welt der Geheimdienste stammt und das Sammeln von Informationen aus frei zugänglichen, öffentlichen Quellen beschreibt. Neben Quellen wie Online-Medien bieten vor Allem soziale Netzwerke und öffentliche Foren erstaunliche Möglichkeiten zur Recherche.

Hier sind meine Top 5 OSINT-Tools für die allgemeine Recherche.

Recherche mit Google und Google-Operatoren

Google ist aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken: egal um was es geht, meist findet man hier die richtige Antwort. Noch viel effektiver ist die Suche, wenn man sich ein wenig mit Google Operatoren auskennt: Dadurch lässt sich die Suche exakt steuern. Setzt man zum Beispiel einen oder mehrere Begriffe in Anführungszeichen, teilt man der Suchmaschine mit, dass man genau diese Begriffe in exakt der Reihenfolge und Schreibweise sucht.

Extrem hilfreich für die Recherche ist aber auch der Operator „Site:“,  mit dem man eine einzelne Domain durchsucht.

Finn Hillebrand von Blogmojo hat hier insgesamt 46 Operatoren, ihre Anwendungsweise und ihren Nutzen sehr übersichtlich zusammengefasst.

Yandex Bildersuche

Von Zeit zu Zeit kommt man an den Punkt, an dem man ein Foto oder eine Grafik hat, den Ursprung aber nicht kennt. Oder man möchte gern herausfinden, in welchem Zusammenhang ein Bild ursprünglich genutzt oder wo es noch zu finden ist. Zwar bietet Google auch eine Bilder-Rückwärtssuche an, yandex.com ist aber ungleich stärker, was dieses Spezialfeld angeht.

Die Bedienung ist kinderleicht, man lädt die vorhandene Bilddatei hoch und Yandex zeigt exakte Übereinstimmungen ebenso wie ähnliche Bilder an. Sogar mit gespiegelten und stark bearbeiteten Bildern konnte ich sehr gute Ergebnisse erzielen. Yandex ist eine russische Suchmaschine, es kommt also durchaus vor, dass die ersten Ergebnisse kyrillische Buchstaben enthalten und besonders stark ist das Tool bei Quellen im osteuropäischen und russischen Raum – dafür liefert der Service aber auch zuverlässig ähnliche und verwandte Bilder, wie hier bei meiner Rückwärtssuche Hindenburgs.

Besonders nützlich für die Recherche ist, dass auch die Gesichtserkennung des Tools häufig gute Ergebnisse liefert.

Bilder analysieren mit Forensicall

Bleiben wir bei Fotos: Manchmal ist es wichtig, herausfinden, ob ein Bild bearbeitet wurde. Zugegeben, die Bedienung von Forensically ist nicht ganz einfach, aber es lohnt sich: das Tool bietet umfangreiche Ressourcen, um Bilder auf jede erdenkliche Weise zu analysieren, angefangen bei einer simplen Lupe bis hin zu automatisierter Erkennung sehr ähnlicher Stellen in Fotos, womit man zB. Retouchen mit dem Kopierstempel-Werkzeug von Adobe Photoshop oder ähnlichen Programmen identifizieren kann:

Bildanalyse eines Portraits mit Forensically

Das Tool bietet noch unzählige andere Möglichkeiten der Bildanalyse, so kann man sich mit Forensically auch weitere in der Datei hinterlegte Daten wie Geodaten anzeigen lassen, was gerade bei der Lokalisierung bestimmter Bilder der naheliegendste und einfachste Weg ist.

Mitarbeiter:Innen finden mit Recruitin

Recruitin ist eigentlich kein eigenständiges Tool, sondern bietet eine grafische Oberfläche für verschiedene Google-Operatoren. Es ist gedacht für (Überraschung) Recruiter:Innen und Headhunter:Innen, kann aber auch enorm nützlich für die Recherche sein. Man kann damit die öffentlichen Profile auf beruflichen Netzwerken wie LinkedIn oder XING durchsuchen – und damit zum Beispiel Mitarbeiter:Innen von Unternehmen in bestimmten Positionen ausfindig machen. Besonders bei der Recherche zu Artikeln, die Firmen betreffen, ist es ungemein hilfreich, diese Informationen zu haben, um Ansatzpunkte für eine weitergehende Recherche zu finden oder auch gezielt Mitarbeiter:Innen ausfindig zu machen, die man als Quelle benötigt.

PONS und Google Übersetzer

Auf den ersten Blick mag ein Übersetzer wenig hilfreich für eine Recherche zu sein, aber ich für meinen Teil beherrsche nur Deutsch und Englisch sicher und mein Latinum hilft mir selten bei der Recherche zu aktuellen Themen. Manchmal ist es aber hilfreich, einzelne Begriffe oder ganze Texte aus den verschiedensten Ländern auswerten zu können – oder auch mittels einer fremden Sprache zu recherchieren. Für meinen Artikel zum Thema Corona in Diepholz habe ich zum Beispiel auf polnisch recherchiert, obwohl ich kein polnisch spreche. Dazu habe ich den Google Übersetzer im Browser und den PONS-Online-Übersetzer genutzt. Ganz wichtig dabei: Die automatischen Übersetzungen liefern häufig gute Ergebnisse, aber wenn es um den Kontakt zu Informant:Innen oder wichtige Schlüsselinformationen geht, sollte man sich nicht ausschließlich auf sie verlassen. Zwar kann man vieles gegenprüfen, indem man verschiedene Übersetzer nutzt, aber ich lasse solche Informationen grundsätzlich durch eine:n Muttersprachler:In oder Dolmetscher:In gegenprüfen.

Weitere Möglichkeiten zur Recherche

Das war natürlich nur eine kleine Auswahl, es gibt unzählige andere Tools, die mal mehr, mal weniger gut funktionieren. Man kann, wenn es um die Recherche zu Personen geht, zum Beispiel auch direkt soziale Netzwerke durchsuchen oder Personensuchmaschinen nutzen. Letztere funktionieren meiner Erfahrung nach aber eher mäßig bis gar nicht, zumindest im deutschsprachigen Raum. Wer tiefer in die Materie einsteigen möchte, dem empfehle ich, einen Blick auf das OSINT Framework zu werfen, dort werden unzählige Tools übersichtlich dargestellt. Viele davon funktionieren am Besten für die USA, einige sind aber auch für Europa und Deutschland nützlich.

Auch einen Besuch wert ist die Seite https://rechercheseminar.de/tools/, die den Fokus eher auf Angebote legt, die nützlich für deutschsprachige Recherchen sind.

Im nächsten Teil werde ich verschiedene Datenbanken und Archive vorstellen und erklären, wie man sie nutzt und auswertet.

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